Banken riskieren viel mit teuren Kreditversicherungen

-
20. Juli 2018
-
Von Paul J. Davies

Versicherungen sind sehr attraktiv, wenn für den Notfall wenig Geld vorhanden ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass es ein gutes Geschäft ist. Für Banken aus Europa ist es zu einer Zeit mauer Gewinne und niedriger Aktienkurse gar nicht so einfach, an Kapital zu gelangen. Eine Lösung für die Geldhäuser: Sie kaufen sich einfach eine Versicherung gegen Kreditausfälle. Auf der anderen Seite dieser Geschäfte stehen renditehungrige Hedgefonds.


Banken brauchen Kapital zur Finanzierung von Wachstum. Doch wenn das Wachstum, das sie anstreben, ein gutes Geschäft ist, sollten es die Anleger selbst finanzieren, etwa durch geringere Dividendenausschüttungen. Demgegenüber gilt: Wenn Banken zu privaten Kreditausfallversicherungen greifen, um in höhermargige, riskantere Geschäftsfelder vorzustoßen, ist Vorsicht geboten.

Gern genommen: Ausfallschutz für riskante Kredite
Seit der Finanzkrise haben Banken diese sogenannten Risiko-Transfer-Geschäfte zum Schutz vor Anfangsverlusten bei Krediten im Gesamtvolumen von 350 Mrd. Euro genutzt. Der Großteil dieser Geschäfte erfolgte in den vergangenen zwei oder drei Jahren, berichtet Integer Advisors. Bei jeder Transaktion tritt ein Investor mit einer Summe Bargeld – üblicherweise 5 bis 7 Prozent des Gesamtwerts der versicherten Kredite – auf. Diese Finanzmittel werden dann während der Laufzeit des Kredits, üblicherweise fünf Jahre, meist nur teilweise aufgezehrt. Mehr als 25 Mrd. Euro Bargeld sind laut Integer und anderen Schätzungen in den vergangenen Jahren auf diese Weise investiert worden.
Großbanken verwenden solche Transaktionen vorrangig zur Deckung von Ausfällen bei Firmenkrediten oder im Handelsfinanzgeschäft, so die Investmentberater von Aon. Credit Suisse, Standard Chartered, Barclays und Deutsche Bank nutzen dieses Instrument besonders gerne. Investoren sind üblicherweise Hedgefonds, wie die Londoner Christofferson, Robb & Co oder einige Pensionsfonds. Auch ein staatlich gestützter, europäischer Fonds hat groß investiert, um Kredite an Kleinfirmen zu unterstützen.
Die Banken überweisen den Investoren einen Aufschlag, der in der Regel zwischen 9 und 12 Prozent der Investitionssumme rangiert. Das mutet wie ein gutes Geschäft an. Schließlich betragen die Eigenkapitalkosten der Banken mehr als 11 Prozent. Doch der entscheidende Unterschied liegt darin begründet, dass bei diesen Deals Verluste nur für einen spezifischen Pool von Krediten gedeckt werden. Dagegen kann das Eigenkapital für alle Arten von Risiken der Bank herhalten, darunter schlechtes Kostenmanagement oder Strafzahlungen.

Risiko-Transfer-Geschäfte bieten keine Lösung
Europäische Bankaktien sind an der Börse sehr günstig bewertet, weil sich diese operativen Risiken in den vergangenen Jahren als sehr kostspielig entpuppten. Viele Bankaktien leiden auch unter chronischen Problemen bei der Rentabilität, da die Kosten zu hoch und die Kreditmargen zu gering sind. Doch diese Risiko-Transfer-Geschäfte helfen da gar nichts.
Die Banken mögen davon profitieren, wenn sie mit den Kapitalauflagen spielen. Die Regulierer versuchen bereits zu verstehen, wie diese Geschäfte funktionieren und könnten sie womöglich weniger attraktiv machen. Andererseits könnten die Banken versucht sein, über diese Geschäfte ihr Kapital in höhermargige Kredite fließen zu lassen. Das resultierte in höheren Gewinnen für die Aktionäre, aber mit verstärkten Risiken. Aktionäre sollten sich überlegen, welche Art von Wachstum sie unterstützen und wie sie dafür zahlen wollen. (DJN)

  

Artikelbild: Andreas Kuhn / Fotolia