Goldman drohen hohe Kosten durch Skandal um malaysischen Fonds 1MDB

ERM
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20. November 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Erstmals strafen Anleger Goldman Sachs für die Rolle des Finanzkonzerns in einem der größten Finanzskandale der Geschichte ab. Und in der Tat haben sie allen Grund zur Sorge.

Seit Anfang November erstmals die Nachricht durchsickerte, dass ein früherer Partner sowie ein Mitarbeiter von Goldman Sachs wegen des Diebstahls von Geldern des malaysischen Staatsfonds 1MDB angeklagt würden, hat die Aktie elf Prozent verloren. Beide Männer sollen Schmiergelder an die Staatsführung gezahlt haben, damit Goldman besser ins Geschäft kommt. In einer Klageschrift wurde ein weiterer, namentlich nicht genannter Partner als Mitverschwörer im globalen Skandal aufgeführt. Offenbar kam es dazu, dass Mittel des Fonds über ein Netzwerk Dutzender Banken und Intermediäre in Asien, Europa und dem Nahen Osten geplündert wurden. Der erstgenannte, ehemalige Partner hat sich schuldig bekannt. Der angeklagte Mitarbeiter konnte nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

 

„Persönliche Wut“ des Goldman-Chefs

 

In einem Brief an die Mitarbeiter sprach Goldman-Chef David Solomon von seiner „persönlichen Wut“ über das Verhalten der Bank-Mitarbeiter. Sie hätten gegen die Richtlinien und Verfahren des Finanzkonzerns verstoßen und gegen alles gehandelt, wofür Goldman Sachs stehe. Es ist durchaus möglich, gutbegründete Schätzungen über den letztlichen Schaden des Skandals für Goldman abzugeben. Tatsächlich bleibt den Aktionären am Ende des Tages auch gar nichts anderes übrig.

Die drei in den Skandal verwickelten Angestellten scheinen ihre eigene Firma hintergangen zu haben, aber die internen Kontrollen von Goldman hätten greifen und das verhindern müssen. Goldman drohen jetzt Strafen für ein fehlendes Warnsystem und für die Schmiergelder, die zumindest einer der Angeklagten gezahlt hat. Analyst Brian Kleinhanzl von Keefe, Bruyette & Woods nannte drei Präzedenzfälle von Großbanken, die er für vergleichbar hält.

 

Präzedenzfälle zeigen: Es wird teuer

 

HSBC musste 2012 rund 1,9 Milliarden US-Dollar an die US-Behörden überweisen, weil der Finanzkonzern keine ausreichenden Geldwäsche-Kontrollen gegen Drogenkartelle und sanktionierte Staaten implementiert hatte. Im gleichen Jahr zahlte Standard Chartered eine Anfangsstrafe an die USA in Höhe von 667 Millionen Dollar, um Vorwürfe von Verstößen unter anderem gegen Iran-Sanktionen beizulegen. Beide Banken konnten sich mit der US-Regierung auf die Aufschiebung einer Strafverfolgung einigen. Dagegen gestand BNP Paribas 2014 ihre Schuld ein, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, und kam mit einer Strafe von 8,9 Milliarden Dollar auch weitaus weniger glimpflich davon.

Zwar ist jeder Fall anders, doch legen diese Beispiele die Vermutung nahe, dass Goldman am Ende zwischen einer Milliarde und zwei Milliarden Dollar zu berappen hat, wie Kleinhanzl argumentiert. Der Finanzkonzern steht bereits unter dem Druck der Regierung von Malaysia, die rund 600 Millionen Dollar Gebühren zurückzuzahlen, die er mit 1MDB verdient hatte. Längerfristig könnte der Skandal aber vor allem auf Kosten neuer Mandate in Südostasien sowie staatlicher und halbstaatlicher Aufträge aus Schwellenmärkten weltweit gehen. Wells Fargo mit seiner langen Historie von regulatorischen Problemen zeigt, dass ein Konzern, der einmal bei den Regulierern schlecht angeschrieben ist, jahrelang als schwarzes Schaf gilt.

 

Für den Moment mit Goldman-Investments besser abwarten

 

Zwar wird sich all das nicht katastrophal für Goldman auswirken. Doch wird der Aktienkurs wohl der Konkurrenz erst einmal hinterherhinken, zumindest solange die endgültigen Kosten offen sind. Mit einer Bewertung von ungefähr dem Buchwert ist Goldman immer noch nicht billig. Beim Rivalen Morgan Stanley sind es mit dem 1,09-Fachen auch nicht viel mehr. Anleger sollten vor einer Schnäppchenjagd erst einmal warten, bis sich der Staub gelegt hat. (DJN)

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