Studie: Wortwahl der EZB beeinflusst Finanzmärkte 

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05. November 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Die EZB gibt auf Pressekonferenzen regelmäßig ihre geldpolitischen Beschlüsse bekannt. Für die Finanzmärkte kommt es dabei jedoch nicht nur auf die reinen Inhalte an. Einer Studie zufolge hat auch die Art und Weise der Kommunikation der Notenbank Auswirkungen auf das Wirtschaftsgeschehen.

Eine der zentralen Aufgaben der Europäische Zentralbank (EZB) besteht darin, den Leitzins festzulegen. Das tut sie acht Mal im Jahr – mittels Presseaussendung und anschließender Pressekonferenz. Wenn die Notenbank ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgibt, kommt es jedoch offenbar nicht nur auf die reinen Inhalte an. Einer aktuellen Studie zufolge hat auch die Art und Weise der Kommunikation der EZB Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Demnach hat eine Änderung im Ton der Notenbank einen signifikanten Effekt auf die Preise von Finanzinstrumenten. Wird die Wortwahl der EZB positiver, steigen die Kurse von Aktienindizes, gleichzeitig fallen die Preise von Derivaten, die zur Risikoabsicherung dienen. Das geht aus einer aktuellen Studie von Professor Christian Wagner von der Wirtschaftsuniversität Wien und Maik Schmeling von der Goethe Universität Frankfurt hervor.

Wie es weiter hieß, können Notenbanker durch ihre Wortwahl die Erwartungen von Marktteilnehmern beeinflussen. Die Kommunikationsstrategie stelle somit ein eigenständiges Instrument der Geldpolitik dar. Genaues Hinhören beim Ton der EZB gäbe zusätzliche Anhaltspunkte für Anlage- und Finanzierungsentscheidungen, betonte Wagner. Außerdem konnten die Autoren den Angaben zufolge zeigen, dass ein optimistischerer Ton der Notenbank ein Indikator für günstigere wirtschaftliche Entwicklungen sei. Umgekehrt gäben negative Begriffe Hinweise auf eine schlechtere konjunkturelle Performance. Hierzu zählen demnach Wörter wie „schwach“, „Rückgang“, Ungleichgewicht“ oder „Volatilität der Finanzmärkte“.

Wie es weiter hieß, generierten die Autoren eine Zeitreihe von Ton-Änderungen, jeweils von einer Pressekonferenz zur nächsten. Dadurch sei beobachtet worden, wie sich die Kurse von Aktienindizes und die Preise anderer Finanzinstrumente mit dem Ton der EZB ändern. Für ihre Analyse nutzten die Experten demnach hochfrequente Kursdaten, die im 1-Minuten-Intervall zur Verfügung standen. So sei es möglich geworden, Preisentwicklungen genau ab Beginn der Pressekonferenz zu verfolgen. Außerdem kontrollierten die Experten in ihrer Analyse die Höhe der Leitzinsänderung und andere „hard facts“, die im Zuge der Pressekonferenz veröffentlicht worden seien, etwa Wachstums- und Inflationsprognosen. (ud)

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