Unternehmen aus China kaufen in Europa weniger zu

ERM
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16. Juli 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Chinesische Unternehmen haben in diesem Jahr in Europa bislang weniger zugekauft als im Vorjahreszeitraum. Das Investitionsvolumen hat sich sogar mehr als halbiert. In der ersten Jahreshälfte gab es in Europa 12 Prozent weniger Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen, die Zahl sank von 126 auf 111. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor. Das Investitionsvolumen schrumpfte von 31,6 auf 14,9 Mrd. US-Dollar. Auch die Zahl der großen Deals mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. Euro halbierte sich in etwa, von elf im ersten Halbjahr 2017 auf nur noch fünf. Damit setzt sich der Trend des vergangenen Jahres fort. Seit dem ersten Halbjahr 2016, als europaweit 176 Transaktionen durchgeführt wurden, sinkt die Zahl chinesischer Transaktion in Europa kontinuierlich.

Als Investitionsziele besonders beliebt waren in den ersten sechs Monaten 2018 nach wie vor Deutschland und Großbritannien. Dort fanden die meisten Transaktionen statt, die Zahl der Zukäufe sank in beiden Ländern zusammen aber von 26 auf 22. Da es sich in Großbritannien überwiegend um kleinere Deals handelte, schrumpfte das Investitionsvolumen auf den britischen Inseln von 16,2 auf 0,6 Mrd. Dollar, wie EY mitteilte.

Wachsendes Interesse an Infrastruktur, Energie, Hightech

In Deutschland stiegen die Investitionen zwar von 6,7 auf 9,9 Mrd. US-Dollar. Davon trug aber der Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler mit einem Volumen von geschätzt 8,9 Mrd. Dollar den Löwenanteil bei. In Frankreich stieg die Zahl der Übernahmen von zehn auf 13. Darunter war auch die Übernahme des französischen Computerspielproduzenten Ubisoft durch eine Investorengruppe, zu der auch der Internetgigant Tencent gehört, für rund 2,5 Mrd. Dollar. 

Die Wirtschaftsprüfer verzeichneten zudem eine Verschiebung der Schwerpunkte. Investitionen in klassische Industrieunternehmen verlören für die Chinesen an Attraktivität, obwohl in diesem Bereich nach wie vor die meisten Transaktionen stattfinden. Europaweit sei die Zahl der gekauften europäischen Industrieunternehmen im Halbjahr von 43 auf 23 massiv gesunken. Allerdings erkennt EY ein deutlich steigendes Interesse an Zukäufen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Hightech und Pharma. Einige der geplanten Transaktionen kamen aber auch nie zustande. Gründe für das Scheitern sind laut der Studie teilweise politische Bedenken und die Sorge vor einem Abfluss von Know-how nach China. In anderen Fällen wurden die chinesischen Investoren von anderen Interessenten überboten oder die Finanzierung kam nicht zustande, weil die regulatorischen Anforderungen in China selbst verschärft wurden. Jedoch könne ein Einstieg chinesischer Investoren für viele Unternehmen auch ein Glücksfall sein, etwa wenn das Unternehmen ansonsten vor der Insolvenz stand oder ein deutscher Mittelständler an Wachstumsgrenzen stoße.

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